(Gegenwind 444, September 2025)

Wenn über den Ukraine-Krieg diskutiert wird, kommen schnell die russischen Propaganda-Erfindungen: „Separatisten” in der Ostukraine, eine „russische Minderheit” im Osten, eine „drohender Genozid”, ein „Sprachverbot”. Nichts davon gab es wirklich, genauso wenig wie Faschisten in der Ukraine, geheime Biolabore, Atomrüstung. Aber ein paar Lügen halten sich hartnäckig, besonders in den Kreisen, die Putin und seinen Krieg unterstützen wollen.
In diesem Buch geht es um Wissen. Deshalb werden die Propagandalügen nur kurz gestreift. Die Autorin geht dann zu den wirklichen Gründen über: Ein Kolonialkrieg, der Imperialismus einer Diktatur von Oligarchen.
Vorgestellt wird dann die Ukraine: Unabhängigkeit 1991, danach ein Wechsel von Präsidenten. Schon der Wechsel zeigt: Die Ukraine entwickelte sich zur Demokratie. Gegen Korruption gab es Großdemonstrationen, mehrmals wurden korrupte Präsidenten abgewählt. Es entstand nie die Oligarchen-Schicht wie in Russland oder Zentralasien. Aber so wurde die Ukraine für Russland auch zur Gefahr, weil die Untertanen von Putin sahen, das Demokratie möglich ist.
Vorgestellt wird dann Russland: Unabhängigkeit 1991, aber schon im Prozess der Auflösung der Sowjetunion ein Putsch in Moskau. Dann ein Präsident, der durch die Privatisierung des Staatsvermögens eine Oligarchenschicht schuf, Millionen verarmten. Präsident Jelzin setzte selbst den Geheimdienstchef Putin als Nachfolger ein, und der nutzte Tricks und Gewalt, um nach zwei Amtszeiten an der Macht zu bleiben. Ab 2011 wurde die Diktatur immer schärfer, die Verfolgung der Opposition nahm zu. Letztlich versuchte er es mit Nationalismus und Krieg - Krieg gegen Tschetschenien, Syrien, Georgien und die Ukraine.
Der Schwerpunkt des Buches ist der Krieg. Die Absetzung des ukrainischen Präsidenten im Zuge von Großdemonstrationen nutzte Putin 2014 zum Angriff auf die Krim, später zum Angriff auf die Ostukraine. Die EU konnte den Krieg mit zwei „Abkommen von Minks” und dann über 30 Waffenstillstandsabkommen eindämmen, alle wurden aber von Putin gebrochen und 2022 offiziell gekündigt. Damit begann Putin den großen Krieg - und stieß auf eine Bevölkerung, die ihr Land zäh verteidigt. Auch die Bevölkerung der Krim und der Ostukraine leistet Widerstand, vor allem aber die Armee. Die Idee von der „Spezialoperation” hatte sich schon Ostern 2022 erledigt, heute spricht Putin auch vom Krieg.
Die Autorin endet mit einem Ausblick. Hier nutzt sie Umfragen in der Ukraine. Vor dem russischen Angriff hatte ein Drittel der Bevölkerung die Hoffnung, dass die Zukunft besser wird. Jetzt, mitten im Krieg, haben 90 % Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Der Krieg hat eine einige Nation mit einem gemeinsamen Ziel geschaffen: Man will in die EU und in die NATO, so wie alle anderen europäischen Staaten.
Allerdings wagt die Autorin keine Prognose, wie lange der Krieg noch weitergeht und wie er endet.
Reinhard Pohl