(Gegenwind 450, März 2026)

EinbürgerungsfeierEinbürgerungsfeier am 22. Februar 2025 in Kiel. Foto: Annika Pleil/LHK

Einbürgerungen in Schleswig-Holstein nehmen zu:

Endlich deutsch

Kreise arbeiten noch immer sehr unterschiedlich

Vor genau einem Jahr hatten wir hier im Gegenwind eine Übersicht über die Einbürgerungen in den 15 Kreisen in Schleswig-Holstein gegeben. Es zeigt sich: Die Zahl der Einbürgerungen nimmt weiter zu. Bei der Quote wird die Zahl der Ausländer:innen genommen, die am 1. Januar länger als acht Jahre hier lebten.

Und da beginnen die Unterschiede: Während im Kreis Rendsburg-Eckernförde 14,9 Prozent der „Achtjährigen” eingebürgert wurden, waren es in Lübeck nur 1,9 Prozent. Im Zweiten Einbürgerungsbericht der Landesregierung hat die Hansestadt damit die Rote Laterne.

Da die Landesregierung mit ihrem Bericht immer ein Jahr zurück liegt, haben wir die 15 Kreise nach den Einbürgerungen im Jahre 2024 gefragt, und dankenswerterweise haben alle geantwortet. Dabei zeigt sich, dass die Zahl der Einbürgerungen 2024 nochmal gestiegen ist. Aber auch hier zeigen sich Unterschiede: In Kiel, im Herzogtum Lauenburg und Kreis Pinneberg ist die Zahl gesunken.

Der Ordnungsdezernent in Kiel, Christian Zierau, sagte uns als mögliche Begründung für die niedrigere Einbürgerungszahl:

Die Einbürgerungszahlen sind im Jahr 2024 im Vergleich zum Rekordjahr 2023 gesunken. Am 27. Juni 2024 trat eine Reform des Staatsangehörigkeitsrechts in Kraft, die die Einbürgerung erleichterte. Zuvor mussten Antragsteller in der Regel acht Jahre in Deutschland leben, um eingebürgert zu werden. Dies wurde mit dem neuen Gesetz auf fünf Jahre verkürzt, bei besonderen Integrationsleistungen sogar auf drei Jahre. Zudem wurde die doppelte Staatsbürgerschaft zugelassen. Diese Änderungen führten zu einer kurzfristigen Zunahme an Anträgen, da viele Menschen die neuen, erleichterten Bedingungen schnell nutzen wollten. Dieser Ansturm führte jedoch parallel in den zuständigen Behörden zu einem erheblichen Bearbeitungsstau sowie notwendigen Verfahrensanpassungen.

Somit lässt sich der Rückgang der Einbürgerungszahlen im Jahr 2024 im Vergleich zu 2023 unmittelbar auf die Zeit nach dem Inkrafttreten der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts zurückführen.

Alle Ausländerbehörden erwarten jedoch langfristig einen Anstieg der Einbürgerungszahlen, da die neuen Regelungen weiterhin attraktiv sind und sich der Bearbeitungsstau im Laufe des Jahres 2025 abbauen lässt. Somit sollten sich die Bearbeitungszeiten voraussichtlich verkürzen. Zum Haushaltsjahr 2025 wurden zudem 11 neue Stellen für die zuständige Abteilung Zuwanderung im Stadtamt geschaffen.

Auch die Stadt Neumünster wies darauf hin, dass sie zwei neue Stellen in der Einbürgerungsbehörde geschaffen haben, erklärten damit aber die starke Zunahme der Einbürgerungen von 105 (2023) auf 477 (2024).

Bundesvergleich

Im Vergleich der Bundesländer, im Einbürgerungsbericht der Landesregierung auf den Seiten 10 und 11 dargestellt und auf Seite 12 und 13 mit Übersichtskarten sichtbar gemacht, steht Schleswig-Holstein fast ganz oben: Nur Bremen ist besser. Je nach Berechnung einer Quote, hier wird auch gerne die Zahl aller 10 Jahre hier lebenden Ausländer:innen genommen liegt Schleswig-Holstein auf dem 2. oder 4. Platz bundesweit.

Vergleich der Kreise

Bei den Kreisen schneidet (immer) Rendsburg-Eckernförde am besten ab. Das liegt vor allem an der guten Organisation der Kreisverwaltung. Es folgen Steinburg, Plön, Flensburg und - neu - Schleswig-Flensburg, im vorigen Jahr noch auf dem allerletzten Platz.

Kiel liegt dann genau im Landesdurchschnitt.

Die übrigen neun Kreise und kreisfreien Städte sind somit unterdurchschnittlich und könnten noch einiges tun, um ihre Arbeit zu verbessern. Für die hier lebenden Ausländer:innen ist es eigentlich unzumutbar, dass der eine Kreis (Rendsburg-Eckernförde) fast achtmal so viele Einbürgerungen in einem Jahr fertig bekommt, wie Schlussleuchte Lübeck. Um ein ähnlich gutes Ergebnis zu erreichen, müsste Lübeck mehr als 2.000 Einbürgerungen pro Jahr hinbekommen.

2024 konnte Lübeck seine Einbürgerungen aber gegenüber 2023 schon mehr als verdoppeln.

Einbürgerungen Schleswig-Holstein

(Quote: Anteil an Ausländer:innen im Kreis, die 8 Jahre in DE leben)

KreisEinb 2021Quote 2021Einb. 2022Quote 2022Einb. 2023Quote 2023Einb. 2024
Rendsburg-Eckernförde4107,5 %86614,8 %97614,9 %1.352
Steinburg1424,0 %2566,8 %53212,8 %705
Plön923,7 %2148,1 %30710,5 %322
Flensburg1252,6 %2053,9 %5219,0 %525
Schleswig-Flensburg1543,7 %952,1 %3787,6 %499
Kiel5714,6 %7986,2 %7655,4 %667
Segeberg4013,1 %7695,6 %7555,1 %990
Nordfriesland821,8 %1152,3 %2895,1 %365
Hzgt. Lauenburg2173,1 %3033,9 %3864,5 %340
Stormarn2242,6 %2152,3 %4424,3 %1.011
Dithmarschen1003,6 %832,6 %1444,0 %197
Pinneberg3972,2 %6653,4 %8363,9 %641
Ostholstein1823,9 %1072,1 %2123,7 %368
Neumünster631,6 %1443,5 %1052,2 %477
Lübeck3352,7 %3662,8 %2661,9 %577
SH zusammen3.4953,2 %5.2014,5 %6.9145,4 %9.036
Einbürgerungen 2021, 2022 und 2023 nach dem Einwanderungsbericht der Landesregierung. Einbürgerungen 2024 nach Auskunft der Pressestellen oder der Einbürgerungsbehörden der Kreise.

Wer wird eingebürgert?

Eingebürgert werden vor allem Syrer und Syrerinnen, die mehr als 50 Prozent der Eingebürgerten ausmachen. Und eingebürgert werden vor allem Menschen, die weniger als acht Jahre hier sind. Sie können eingebürgert werden, wenn sie fünf Jahre hier leben, im Ausnahmefall auch schon nach drei Jahren.

An zweiter Stelle stehen Iraker und Irakerinnen, die aber nur 6 Prozent der Eingebürgerten ausmachen. Und es folgen Afghan:innen an dritter und Iraner:innen an vierter Stelle in der Liste.

Die meisten Eingebürgerten hatten ein Recht auf die Einbürgerung, also die Zeiten und Gehälter, die verlangt werden, voll erfüllt. Ermessenseinbürgerungen von Antragsteller:innen, die nicht alle Bedingungen erfüllen konnten, gab es nur 861, das sind 12 Prozent aller Einbürgerungen.

Mehr Einbürgerungen?

Durch die Reform des Staatsangehörigkeitsrechtes im Sommer 2024 können Antragsteller:innen einfacher und schneller eingebürgert werden. Der wichtigste Grund: Sie müssen jetzt nicht mehr auf die bisherige Staatsangehörigkeit verzichten.

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist ausdrücklich festgehalten, dass das auch so bleibt. Diese Ausbürgerung nach der positiven Entscheidung hat Bewerber:innen oft ein oder zwei Jahre gekostet, in denen sie auf die Entscheidung des bisherigen Staates der Staatsangehörigkeit warten mussten, das fällt jetzt weg.

Alle Kreisverwaltungen und Verwaltungen kreisfreier Städte, die das letzte Jahr gut genutzt und ihre Behörden gut aufgestellt haben, sollten also 2025 noch sehr viel mehr Einbürgerungen hinbekommen. Zur Zeit gibt es oft lange Wartezeiten, die sollten im Laufe des Jahres spürbar abgebaut werden. Damit dürften im Jahre 2025 mehr als 12.000 Ausländer:innen endlich deutsch werden.

Werbung für Einbürgerung macht angesichts der jetzigen Wartezeiten (in Lübeck sind es zweieinhalb Jahre) noch niemand. Aber 2026 könnten sich die ersten Kreise trauen.

Reinhard Pohl

Bis zum Redaktionsschluss hatte das Sozialministerium den „Einbürgerungsbericht 2024” noch nicht im Internet. Dort soll er eingestellt werden, kann aber auch bei der Redaktion bestellt werden.

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