(Gegenwind 167, August 2002)

Sozialer Tag 2002 der Aktion Schüler helfen Leben

Arbeiten statt Schule

Arbeiten statt Schule im New Yorker

Am 18. Juni gingen etwa 210.000 Schüler arbeiten, um Kindern auf dem Balkan zu helfen. Die Organisation Schüler helfen Leben organisierte das Projekt "Sozialer Tag" nun schon zum dritten Mal, und jedes Jahr beteiligen sich mehr Schulen. In diesem Jahr nahm erstmalig neben Schleswig-Holstein und Hamburg auch Niedersachsen teil.

Schon Wochen vorher gingen die Schüler auf Jobsuche: ob im Supermarkt, im Altenheim oder zu Hause im Garten war egal - Hauptsache, der Arbeitgeber spendete an Schüler helfen Leben. Wer allein keinen Job fand, konnte sich im Internet unter zahlreichen Angeboten das passende heraussuchen.

Viele Arbeitgeber nahmen schon zum zweiten oder dritten Mal teil. Alle Befragten gaben an, die Schüler nur der guten Sache wegen zu engagieren.

Viele Schüler halfen in Seniorenheimen. Sie fuhren mit den Bewohnern in den Park, halfen in der Küche, machten Gartenarbeit und unterhielten die Bewohner, für die es eine willkommene Abwechslung war.

Auch im Sophienhof in Kiel gab es viel zu tun. Anja (15) von der Käthe-Kollwitz-Schule sortierte bei "New Yorker" die Kleidung und hängte die Neuware im Verkaufsraum auf.

Ein Mädchen der fünften Klasse des Humboldt-Gymnasiums half in der Buchhandlung Blickwinkel: sie stapelte Bücher und sortierte Kisten.

Bei Karstadt arbeiteten zwei Schülerinnen (10 und 11 Jahre alt) der Realschule Flintbek. Sie wurden in den verschiedensten Bereichen gebraucht, so zum Beispiel in der Dekorationsabteilung, wo sie Preisschilder austauschten und Verkaufsräume dekorierten.

Auch "Weiland" beschäftigte einen Schüler der Dietrichsdorfer Toni-Jensen-Schule. Er schrieb Rechnungen, klebte Preise auf und durfte sogar das Schaufenster neu dekorieren.

Arbeiten statt Schule in der Holstenstraße

Selbst ein kleines TUI-Reisebüro beschäftigte eine Schülerin des Gymnasiums Wellingdorf zum Sortieren von Prospekten.

Doch es gab auch populäre Arbeitgeber - zum Beispiel RSH. Seit Wochen machte RSH schon Werbung für den "Sozialen Tag" und versuchte dazu beizutragen, dass jeder arbeitswillige Schüler auch einen Job bekommt. Aber auch RSH selbst stellte Schüler ein - sogar gleich 12 an der Zahl im Alter von 12 bis 18 Jahren. Sie machten Gartenarbeit rund um das Funkhaus und sortierten das Lager. Einige hatten sogar das Glück, bei Karsten Köthe oder Dennis Hoppe ein bisschen moderieren zu dürfen.

Auch in der Holstenstraße war einiges los. Fünf Mädchen des Hans-Geiger-Gymnasiums sangen Lieder aus den Charts, um Passanten für eine Spende zu begeistern.

Schüler der Kieler Gelehrten-Schule hatte ein kleines Theaterstück über die Römer eingeübt, dass sie dann in der Holstenstraße zum Besten gaben. Sie ernteten zwar nicht nur Lob dafür, doch am Ende hatten sie die stolze Summe von 300 Euro gesammelt.

Für manche Schüler war dieser Tag vielleicht sogar schon ein kleiner Einblick in ihre spätere Berufswelt. Für Sarina, Julia und Sophie (14) vom Gymnasium Wellingdorf war dies jedoch nicht der Fall. Sie hatten sich in einem Kindergarten einen Job gesucht, da sie hofften, sich dort viel mit den Kindern beschäftigen zu können. Doch statt dessen wurden sie für Garten-, Maler- und Streicharbeiten abgestellt.

Am Abend waren alle geschafft - egal wo sie gearbeitet hatten. Doch einige waren bestimmt besonders müde, hatten sie doch tagsüber unter schwierigen Bedingungen gearbeitet; in Räumen von nicht einmal einem Quadratmeter oder kleinen stickigen Räumen ohne Fenster.

Aber alle haben es überstanden und Schüler helfen Leben darf sich über die Summe von 5,1 Millionen Euro freuen. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Arbeiten statt Schule im Kindergarten

Das Geld soll nun für auf dem Balkan lebende Kinder eingesetzt werden. Zur Hälfte soll es zur Stabilisierung des Gesamtprojektes genutzt werden und mit der anderen Hälfte sollen Einzelprojekte unterstützt werden. Ein Sprecher von Schüler helfen Leben sagte: "Unser Jugendzentrum im Kosovo ist ein besonderer Treffpunkt für junge Serben und Albaner. Kunst-, Musik-, Sprach- und Computerkurse bieten Bildung neben der Schule. Die Funkstille zwischen beiden Volksgruppen wird von einem gemeinsamen Radioprojekt beendet. Doch bis zur freien Begegnung oder gar Versöhnung ist es noch ein langer Weg."

Auch in Bosnien-Herzegowina ist Schüler helfen Leben aktiv: "In Sarajevo steht das internationale Jugendbegegnungshaus, der Mittelpunkt unserer Projekte auf dem Balkan. Schülervertretungen, Wehrdienstverweigerer, Künstler und junge Medienmacher arbeiten hier Hand in Hand für die Rechte von Kindern und Jugendlichen. Den Jugendlichen aus der Gemeinde Krizevici in Ost-Bosnien wollen wir die Rückkehr in ihre alte Heimat erleichtern. Sie sind ehemalige Flüchtlinge, die wir beim Aufbau eines Jugendzentrums, eigener Geschäfte und Werkstätten unterstützen." Schüler helfen Leben arbeitet getreu dem Motto: Ein neuer Anfang - eine neue Hoffnung.

Arbeiten statt Schule: Reagenzgläser waschen

Obwohl in diesem Jahr schon 1200 Schulen teilnahmen, gibt es immer noch einige, die sich nicht beteiligten. Laut den Schulleitern würde so schon zu viel Unterricht ausfallen, da könne man nicht auf noch einen Tag verzichten. Den Schülern der Elmschenhagener Theodor-Möller-Schule wurde sogar vorgeschlagen, sie sollten doch an den zwei Tagen, die wegen des Abitur für Nichtabiturienten frei sind, arbeiten gehen, wenn sie unbedingt helfen wollten. Da stellt sich doch die Frage, warum diese Schule nicht einen Tag entbehren kann, wo es doch so viele andere Schulen auch schaffen. Hoffen wir, dass auch diese Schulen überzeugt werden können, im nächsten Jahr teilzunehmen.

Doch auch an Schulen, an denen die Teilnahme erlaubt war, gab es Schüler, die nicht teilnahmen. Sie hatten keinen Job gefunden oder einfach keine Lust. Ein Schüler begründete seine Nichtteilnahme damit, dass er im letzten Jahr genug Geld gesammelt habe.

Aber auch die Schüler, die keinen Job hatten, sollten nicht tatenlos herumsitzen. Sie kamen zur Schule zum Arbeiten, wofür es aber kein Gehalt gab. Am Gymnasium Wellingdorf malte eine fünfte Klasse das Schachbrett, das Basketballfeld und anderes nach. Die neunten und zehnten Klassen wuschen Reagenzgläser und putzten Physik- und Chemieräume.

Insgesamt war dieser Tag für alle Schüler sehr arbeitsreich. Doch es hat sich gelohnt, denn mit dem Geld können wieder viele Kinder auf dem Balkan glücklich gemacht werden!

Alexandra Schröder

Schüler helfen leben im Internet: www.sozialertag.de

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